Katholische Pfarrei St. Marien Dresden-Cotta
Wir sind Licht für die Welt

Pater Jobin Joseph stellt sich vor

Ich bin P. Jobin Joseph, ein Steyler-Missionar. Ich komme aus einem südindischen Bundesstaat namens Kerala. Die Reise, die ich vor vierundzwanzig Monaten unternommen habe - vom Land der Reis- und Kokospalmen bis ins Land der Kartoffeln und Äpfel - lehrt mich bis heute sehr viel. Geboren wurde ich in einem einfachen Dorf in einer ganz gewöhnlichen Familie. Ich bin dreiunddreißig Jahre alt und habe einen jüngeren Bruder sowie eine Schwester. An meinen Eltern bewundere ich vor allem, dass sie sich für uns als Kinder sehr viel Zeit genommen haben. Oft gingen sie auf unsere Wünsche ein und so verbrachten wir viel Zeit miteinander. Dabei empfanden sie den Schmerz ihrer Söhne oder ihrer Tochter als den ihren.

Zunächst habe ich Wirtschaft an der Universität studiert, später zwei Jahre Philosophie und vier Jahre Theologie. Nach meiner Diakonweihe hatte ich die Möglichkeit, mich aus achtundvierzig Ländern für drei zu entscheiden, in denen die Steyler tätig sind. Meine Auswahl fiel auf Argentinien, Brasilien und Deutschland. Damit begann die Geschichte meiner Reise.

Bei null anzufangen ist immer eine Herausforderung - ich gehe jetzt durch diese Phase. Es gibt Zeiten, in denen mir Fragen aufkommen: Kann ich meinen Dienst hier in Dresden gut machen? Verstehen mich die Menschen mit meinem indischen Akzent? Ich möchte mit ihnen teilen, was mich im Leben trägt.

Vor einigen Monaten erlebte ich eine Gebetsübung für die Erstkommunionkinder. Jedes Kind hatte die Gelegenheit, eine Kerze anzuzünden und für jemanden ein Gebet zu sprechen. Es gab neun Kinder, und sieben von ihnen beteten für ihre Familie und Freunde. Dann kam dieser Junge und sprach ein schönes Gebet für mich. Als die Kerze schmolz, liefen mir Tränen über die Wangen. Weil ich noch nie ein so schönes Gebet gehört hatte, das jemand für mich formulierte. Diese unschuldige Liebe gibt mir Kraft und Mut - und fordert mich aber auch dazu auf, alles zu geben, was ich in mir trage. Deshalb liebe ich meinen Dienst und bin sehr gern hier.

Und wenn ich von zu Hause aus gefragt werde, was in Deutschland besonders ist,  spreche ich nicht von der Schönheit Dresdens, sondern von der Herzlichkeit und Liebe der Menschen in meiner neuen Umgebung, insbesondere aller Haupt- und Ehrenamtlichen der Pfarrgemeinde.

Dresden im Januar 2020