Gemeinde St. Marien Dresden-Cotta
der Röm.-kath. Pfarrei Selige Märtyrer vom Münchner Platz

Wort unseres Pfarrers

Liebe Schwestern und Brüder,

liebe Gemeinde,

die Fastenzeit ist eine Wüstenerfahrung, Wüstenerfahrung ist eine Grenzerfahrung. Zu Beginn der Fastenzeit hören wir das Evangelium über die Versuchung Jesu in der Wüste (Mt 1, 12-15). Die Wüste ist für uns Menschen ein lebensfeindlicher Raum. Das Überleben in der Wüste verlangt besonderes Wissen und besondere Fähigkeiten. Aber auch wenn man gut angepasst ist, erreicht man sehr schnell die Grenze dessen, was ein Mensch aushalten kann.

Die Wüstenerfahrung ist eine physische und eine psychische Belastung. Gerade jetzt in der Pandemie, wo wir gezwungen werden, die sozialen Kontakte zu unterbrechen, Abstand zu halten, uns selbst zu isolieren, um gesund zu bleiben, hören wir, dass diese Tatsache gewaltige Auswirkungen auf die Einzelnen und auf die ganze Gesellschaft hat. Wir Menschen sind nicht für die dauerhafte Einsamkeit bestimmt. Die Einsamkeit ist unter anderem die Ursache für Depressionen oder andere psychische Erkrankungen. Umso erstaunlicher ist die Entscheidung Jesu, freiwillig in die Wüste zu gehen. Warum tut er das?

Die Wüste ist ein Ort der Stille. In der Stille spricht Gott zu uns. Zu Beginn seines öffentlichen Wirkens sucht Jesus einen Ort der Stille, um Gottes Stimme zu hören. Die Wüste ist ein Ort der Genügsamkeit. Sie lehrt, mit dem Wenigen, mit dem Notwendigsten auszukommen. Sie lehrt, sich nicht mit dem Unnötigen zu belasten und alles der Aufgabe unterzuordnen, das eigene Leben und das der anderen Menschen zu erhalten.

Die Wüste ist ein Ort der Ehrlichkeit. In der Einsamkeit braucht man sich nicht zu verstellen, man braucht niemandem etwas vorzuspielen. Man kann so sein, wie man wirklich ist. Man braucht keine Maske anzuziehen, um seine Schwächen zu verbergen, um sich schöner darzustellen, als man wirklich ist. Man ist allein mit Gott, der uns liebt, so wie wir sind.

Die Wüste ist schließlich ein Ort der Erfahrung, was wirklich wichtig und notwendig ist und was nur oberflächliche Äußerlichkeiten sind. In der Fastenzeit in die Wüste zu gehen, hat eben diesen Sinn, in die Tiefe zu gehen, vor Gott zu stehen, so wie man gerade ist, ohne Maske und ohne Schmuck. In der Stille Gottes Stimme zu vernehmen. Sich nicht mit „dem Schein des Guten“ versuchen zu lassen und von dem Weg abbringen zu lassen, um am Ende Gott und sich selbst näher zu kommen (zu sich zu finden). Vieles davon ist nur in der Wüste möglich und ich bin fest davon überzeugt, dass diese Erfahrung der Mühe wert ist.

Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche Ihnen eine gesegnete und erfahrungsreiche Fastenzeit.

Ihr Pfarrer

P. Sławomir Rakus SVD


Liebe Schwestern und Brüder,

liebe Gemeinde,

das Jahr 2021 ist gerade zwei Wochen alt. Der Winter ist, auf eine seit Jahren ungewohnte Weise, mit Schnee und Frost in Dresden angekommen. Auch in der Gesellschaft scheint alles im Griff der Pandemie erstarrt zu sein. Alle Menschen sind ermüdet in dieser ungewöhnlichen Situation. Wir alle verlieren langsam die Geduld und sehnen uns nach der Normalität. Immer wieder stellt sich die Frage: Wie lange noch? Was ist notwendig in dieser Ausnahmesituation für uns Christen? Wie kann man ein Minimum an Gemeindeleben erhalten? Es gibt sehr viele kreative Initiativen und Aktionen (z.B. die Sternsingeraktion), die deutlich machen, dass vieles auch anders machbar ist. Vieles hätten wir ohne diesen Ausnahmezustand niemals versucht oder ausprobiert. Es werden Kräfte mobilisiert und eingesetzt, die vorher sehr oft gar nicht beachtet waren. Und doch merken wir, dass alle die neuen technischen Mittel und Ideen nicht in der Lage sind, die persönliche Begegnung mit dem Mitmenschen zu ersetzen. Also, wie lange noch, und vor allem, wie wird es danach? Kehren wir zu einer Normalität zurück, wie in der Zeit vor der Pandemie? Oder wird die Zeit der Pandemie Spuren hinterlassen? Wenn ja, was wird anders sein? Welche neuen Erfahrungen setzen sich durch? Welche neuen Formen der Religiosität und der Frömmigkeit werden erstehen und das Alte ersetzen? Es gibt Behauptungen, dass die Pandemie Prozesse und Entwicklungen in der Gesellschaft und in der Kirche beschleunigt hat, die vielleicht später ohnehin gekommen wären. Erstaunlicherweise vermag niemand zu sagen, wie die Zukunft aussehen wird. Es fehlt eine prophetische Vision über die Zukunft der Gesellschaft und der Kirche. Auch die, die spüren und ahnen, dass radikale Veränderungen notwendig sind, schweigen angesichts der gewaltigen Arbeit, die notwendig wäre, um etwas zu verändern. Es herrschen also eine allgemeine Unsicherheit und das Warten. Mir geht es genauso wie vielen anderen in dieser Situation. In den Gesprächen mit den Gemeindemitgliedern wird mir immer wieder bewusst, dass ich vielen Erwartungen nicht gerecht werden kann. Dass ich selbst verunsichert bin und auf der Suche nach Orientierung oft nicht behilflich sein kann. Dass meine von vielen gefühlte Abwesenheit auch durch die technischen Mittel oft nicht überwunden werden kann. Dass ich in dieser Situation meine Aufgabe als Seelsorger nur schlecht oder unzureichend erfüllen kann. Um daran nicht zu verzweifeln, habe ich in dieser Situation eine Lösung für mich gefunden. Ich versuche meine persönliche Beziehung zu Jesus Christus zu vertiefen, sie zu erneuern, sie lebendiger zu machen. Gott ist immer und überall für mich da. Ich kann auch allein in der Einsamkeit meiner Kammer mit ihm in Kontakt treten. Ich kann damit meinen Glauben und meine Beziehung zu Gott neu ausrichten, stärker machen. Das ist das Fundament, auf dem alles neu erstehen kann und nach meiner Überzeugung neu erstehen wird. Das ist für mich die Herausforderung der heutigen Zeit, das ist die Chance, die die Pandemie uns gibt, das ist unsere Aufgabe für jetzt. Nutzen wir sie.

Liebe Schwestern und Brüder, ich bin überzeugt, dass alle, die in dieser Zeit im Glauben Halt gesucht haben, darin Stärkung und Erneuerung finden. Ich wünsche Euch und Ihnen für die kommenden Wochen und Monate Gesundheit, Optimismus und Gottes reichen Segen.

Ihr Pfarrer

P. Sławomir Rakus SVD


Liebe Schwestern und Brüder,

Liebe Gemeinde,

seit über drei Monaten leben wir mit der Corona-Pandemie. Es hat sich in diesen drei Monaten sehr viel ereignet. Es gab eine wellenartige Entwicklung, von der anfänglichen Angst und totalen Stilllegung des gesamten gesellschaftlichen Lebens bis zu den gegenwärtigen Lockerungen, fast wieder eine Normalität, die beinahe vergessen lässt, dass die Bedrohung noch nicht gänzlich aus der Welt ist, dass es immer noch keine Impfung und keine Medikamente gibt und dass das Virus heute genauso gefährlich ist oder sein kann, wie vor drei Monaten. Im Gemeindeleben merken wir diese Entwicklung auch deutlich. Durch die Hygienebestimmungen und Versammlungsvorschriften ist es immer noch nur eingeschränkt möglich, die Gemeindeaktivitäten, wie wir sie kannten und praktiziert haben, heute zu leben. Der Ruf nach Alternativen, nach Kreativität und nach Umgestaltung ist lau geworden laut und es passiert auch sehr viel zum Beispiel im Bereich der sozialen Medien im Internet (Livestream- Angebote) oder am Kirchenzaun. Viele von uns stellen jedoch fest, dass alle diese Neuigkeiten, so wichtig und notwendig sie auch sind, die menschlichen Beziehungen nicht ersetzen können.

Seit dem 1. Juni sind wir in Dresden Süd-West eine neue Pfarrei „Selige Märtyrer vom Münchner Platz“. Für viele Gemeindemitglieder hat diese Tatsache nichts verändert und hat keine konkreten Konsequenzen im Alltag. Verstärkt wird dieses Gefühl noch dadurch, dass die Feierlichkeiten zu diesem Anlass ausgefallen oder verlegt wurden. Und doch bringt jeder Tag neue Herausforderungen und Entwicklungen, denen wir uns stellen müssen. Auch sie verlangen Einsatz und Kreativität, Gestaltung und viel Zeit. Schon jetzt beginnen die Vorbereitungen für die Wahlen zu den neuen Gremien. Wir sind aufgerufen, uns schon jetzt Gedanken darüber zu machen, wen wir am 15. November dieses Jahres in die Seelsorgeräte, in den  Pfarreirat und in den Kirchenvorstand wählen wollen. Wer steht zur Verfügung? Wer soll die Gemeinde und die Pfarrei vertreten und die neugegründete Pfarrei in Ihrem Namen mitgestalten? Die Zeit vergeht schnell. Wir können nicht alles vor uns her schieben. Das Mitmachen ist gefragt.

Der Sommer steht vor der Tür. Eine Zeit, die ohnehin jedes Jahr Veränderungen gebracht hat, durch Urlaub, Reisen und Schulfrei. Es wäre wichtig, diese Zeit für die Erholung zu nutzen, Kräfte zu sammeln und aufzuatmen. Aber vielleicht findet sich auch etwas Zeit zum Nachdenken über unsere neue Pfarrei, über ihre Gestaltung und über ihre Zukunft.

Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche Ihnen eine erholsame, ruhige und interessante Sommerzeit. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in ihrem Urlaub Kräfte tanken und viel erleben und ich freue mich auf das Wiedersehen nach der Sommerpause, mir neuen Kräften und bei neuen Aufgaben, die wir zusammen ganz sicher schaffen werden.

Ihr Pfarrer P. Sławomir Rakus SVD